Folge 55 - Wer zahlt für den Sozialstaat?
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00:00:01: Ihr Wichser, Entschuldigung.
00:00:03: Aber ich kann es wirklich nicht anders sagen.
00:00:05: Chibo kann mehr bezahlen.
00:00:06: Das ist einfach nicht in Ordnung.
00:00:08: das Chibo Brutto!
00:00:09: Dreizehn Euro einviert sich bezahlt.
00:00:11: Ich konnte mich darüber empören und das umgeht nicht mehr.
00:00:13: Das finde ich eine völlig andere Situation als der Goldschmiede wo's halt nicht anders geht.
00:00:17: Und da fühlen sich wie gesagt denke ich die Menschen auch nicht komplett ausgebeutet sondern... Es is ne andere Situation.
00:00:25: Mauer Echu
00:00:26: Ost trifft West
00:00:28: Wo Geschichten
00:00:29: die Grenzen überwinden.
00:00:31: Wir reißen Mauern
00:00:38: ein.
00:00:40: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Mauer Echo Ost trifft West, dem Einheitspodcast der Tatspander Stiftung.
00:00:47: Heute geht es um ein Thema das alle betrifft.
00:00:50: Denn egal ob wir reich oder arm sind wie besonders viel Glück oder Pech im Leben hatten oder mit dem Staat eigentlich nichts zu tun haben wollen Wir werden alle krank!
00:00:58: Wir alternen, müssen wohnen Und Sozialpolitik berührt unser aller Leben Denn es geht um Pflege, Rente, Wohnen und Gesundheit.
00:01:06: Arbeit!
00:01:06: Und wir wollen heute final wissen wie sich normale Bürgerinnen bei den Themen gegenüber der Politik fühlen.
00:01:14: Zum Gast habe ich zum einen hier Elena Steinhaus.
00:01:18: Sie ist Aktivistin von Sanktionsfrei und setzt sich mit ihrem Verein für sanktionsfreie Grundsicherung ein die dem Menschenwürde wahrt nicht nur mit Kampagnen und politischem Druck sondern auch mit akuter Hilfe in Notsituation.
00:01:33: Hallo Helena, schön dass du hier bist.
00:01:35: Ja Dennis, freut mich auch!
00:01:37: Und mein zweiter Gast ist Isabel Heuer.
00:01:42: Sie ist Moderatorin, Mediatorin hat ein Panda-Networkful Leadership gegründet.
00:01:49: So haben wir uns auch kennengelernt im Finanzministerium bei der Ostbeauftragten.
00:01:54: Schön, dass du da bist!
00:01:55: Du hast eine Wossi-Perspektive und bist von Sachsen Anhalt damals nach Bayern gezogen.
00:02:01: Bei Helena ist es genau andersrum.
00:02:03: Du bist ja aus NRW nach Brandenburg gezogen und warst dann auch zwischendurch in Berlin.
00:02:09: Auch schön, dass DU da bist dieser Welt.
00:02:11: Freu mich auch!
00:02:12: Hallo!
00:02:13: Erst mal bevor wir anfangen... Eine Frage Zum Sozialstaat an sich, weil das ist ja heute sozusagen unsere finale Folge.
00:02:20: Wir haben jetzt die letzten Folgen viel darüber gesprochen.
00:02:23: Wo habt ihr denn in eurem Leben den Sozialstaatsgespür gemerkt?
00:02:28: Oder ist bei euch eigentlich gar nicht so präsent dieser Bell?
00:02:31: Vielleicht magst du mal anfangen.
00:02:34: Ja absolut habe ich den Sozial Staat gespürt an verschiedenen Stellen also erst einmal.
00:02:39: Ich bin aus Art und Siebzig geboren war also elf als die Mauer gefallen ist.
00:02:44: Ich glaube, zum ersten Mal habe ich den Sozialstadt dann gespürt als meine beiden Eltern in Folge der Wende wie so viele andere auch zu der Zeit arbeitslos geworden sind und Arbeitslosengeld bezogen haben.
00:02:56: Dann gab es in der Familie einen Fall wo's um Alkoholismus ging und das Sozialamt eingesprungen ist, wo sich meine Mutter sehr aktiv drum gekümmert hat.
00:03:06: da war so dieses Thema Bürokratie Wie kommt man an Hilfen und sowas sehr präsent?
00:03:11: Dann habe ich selbst im Studium mein erstes Kind bekommen und hab dann ein Jahr lang in Quickelnburg gelebt, während ich zwei Urlaubssemester genommen habe sozusagen Babyjahr.
00:03:22: Da habe ich... Ich weiß gar nicht was war das damals?
00:03:25: Ich glaube es war Hartz IV wahrscheinlich bezogen.
00:03:27: da wurde die Wohnung finanziert und da gab's auch so Zuschüsse für Kleidung usw.. Dann hatte ich zwei Kinder, war immer noch im Studium.
00:03:37: Hab auch gearbeitet und hab zu dem Zeitpunkt BAföG bezogen.
00:03:41: Da haben mein Partner nicht uns getrennt.
00:03:43: Das bedeutet da habe ich eine zeitlang auf Wohnberechtigungsschein in einer Sozialwohnung gewohnt.
00:03:48: Und bin auch zeitweise zur Tafel gegangen.
00:03:51: Da habe ich den Sozialstaat auf jeden Fall gespürt.
00:03:54: Und dann habe ich irgendwann Gründungszuschuss bekommen, den man ja bekommt wenn man aus Arbeitslosigkeit herausgründet.
00:04:02: Berührungspunkte, die eigenen zum Sozialstaat.
00:04:06: Helena wie war das bei dir?
00:04:08: Es gab als meine Mutter irgendwann arbeitslos wurde, hat es viel.
00:04:12: Eine Zeit lang.
00:04:14: dann habe ich Schülerwartwerk bekommen.
00:04:16: Das war glaube ich meine erhebendste Erfahrung mit dem Sozialstaatsstaat weil das so völlig unerwartet kam und man das auch nicht zurückzahlen muss.
00:04:25: Und dann hab ich nach dem Studium auch zweimal Zeitweise Hartz IV bezogen.
00:04:30: Dann habe ich Kinder bekommen, hab Eltern Geld bekommen und was man ja immer vergisst ist dass der Sozialstaat gar nicht nur in Einführungszeichen Sozialleistungen sind sondern das auch Krankenkassen zum Beispiel.
00:04:42: also wenn ich krank bin, dann erlebe ich auch permanent den Sozialstaats oder wenn... Ich hab ja auch Kindergeld bekommen bis ich unter fünfundzwanzig war, das ist auch der Sozialstart.
00:04:52: Also insofern habe ich wirklich sehr viele Jahre, sehr viel vom Sozialstaat profitiert.
00:04:57: Ja und tue das ja auch immer noch weil jetzt bekommen meine Kinder Kinder Geld.
00:05:00: Und auch meine Kinder sind krank versichert und ich bin krankversichert.
00:05:03: Und ja also eigentlich spüre ich den Sozialstaats die ganze Zeit?
00:05:08: Ich finde es interessant dass der so runtergebrochen wird auf eben soziale Leistungen.
00:05:13: aber er ist ja auch zum Beispiel die Rente die ganz viele Menschen beziehen, die auch nicht Armuts betroffen sind.
00:05:19: Das hat gar nicht so viel damit zu tun, ob man jetzt Armuts getroffen oder bedürftig ist.
00:05:22: Sondern das sind so die Strukturen, die uns irgendwie tragen eigentlich alle.
00:05:29: spannend, weil gerade wenn ich mich so umhöre auch und wenn ich in den ländlichen Räumen so unterwegs bin.
00:05:34: Gerade auch mit sagen wir mal auch gefrusteten AfD-Wählerinnen zum Beispiel denn ist es sie wollen mit dem Staat nichts zu tun haben oder auch meine Eltern sind aus.
00:05:43: Aus einer migrantischen Perspektive ist einfach dieser Staat immer sehr bürokratisch.
00:05:47: das ist alles viel.
00:05:48: also versucht man denen soweit wird möglich wegzuhalten um sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen.
00:05:53: Und sie sehen gar nicht in ihrem Everyday Life, dass eigentlich sehr viel von dem wie sie leben.
00:05:58: Wie die Strukturen organisiert sind, dass sie da erstens vom Sozialstaat auch profitieren, das nicht immer nur was Negatives hat und dass er es sich so im Leben durchzieht.
00:06:09: Dann würde ich gerne in unsere erste Kategorie gehen heute.
00:06:12: Das ist nämlich Wer steht wo?
00:06:16: Und das ist eigentlich relativ easy!
00:06:18: Ich stelle euch fünf Fragen, das ist ja oder nein Und ihr sagt dann einfach okay, stimm mich zu.
00:06:25: Stimme ich nicht zu oder ihr dürft euch auch enthalten diese Woche weil ich gledig bin und es wäre cool wenn ihr das... Ich sag mal Helena du machst nochmal den Anfang damit auch die Hörer in Dino zuhören wissen wer gerade wo spricht.
00:06:37: erst Helena, dein Isabel und es wär cool wenn er das mit dem Daumen macht damit man das auf Visuaise sozusagen wahrnehmen kann.
00:06:44: also starten wir rein.
00:06:46: Kinderlose Paare sollten mehr Pflegeversicherung zahlen als Paare ohne Mitkindern.
00:06:52: Helena?
00:06:54: Ja, Isabelle auch ja!
00:06:57: Es ist richtig dass der Anteil von Rentenpunkten für pflegende Personen von hundert auf siezig Prozent sinkt um das Pflegesystem zu stabilisieren.
00:07:07: Ich würde denken nein aber ehrlich gesagt ich habe es auch noch nie gehört.
00:07:10: jetzt kommen wir gerade einfach nur Grund falsch vor aber ich bin mir auch nicht sicher
00:07:15: Es ist ja nur eine Meinung.
00:07:16: Also es muss jetzt gar nicht gestützt werden, aber du würdest erst mal Nein sagen dazu.
00:07:21: Wenn ich's richtig verstehe würde ich Nein sagen, aber ich kann dir gerade nicht sagen ob ich das richtig versteh.
00:07:26: Ich schließe mich an!
00:07:27: Also wenn jemand pflegt sozusagen der Anteil dafür weil du kriegst ja Rentenpunkte und wenn du pflegst dann hat meine Mutter jetzt auch gemacht Und dieser Anteil der Rentenpunkte die sollen von diesen hundert Prozent die man für die Pflege bekommt der soll jetzt auf siebzig Prozent runter gesetzt werden Der
00:07:42: sollte verdoppelt werden Oder also...
00:07:46: Ich glaube, es ist aber ganz neu.
00:07:47: Ich habe das heute Morgen in den Nachrichten gehört als Teil dieser Reformvorschläge.
00:07:52: Also superfrisch!
00:07:53: Aber ich bin auch dagegen.
00:07:55: Das kann ja nur falsch sein.
00:07:56: von wem kommt das?
00:07:57: Von der
00:07:57: CDU?!
00:08:00: Das ist in diesem Reformpaket zur Gesundheitsreform von Frau Wagen, unsere Gesundheitsministerin hat das gerade eingereicht.
00:08:08: Okay dann gehen wir zum nächsten Punkt und wir diskutieren gleich darüber die Geldleistung von hundert-einen Reise Euro beim Pflegegrad Eins soll gestrichen werden?
00:08:15: Seid ihr dafür oder dagegen?
00:08:18: Dagegen!
00:08:20: Beide sagen nein.
00:08:22: Sanktionen im Bürgergeld sind der richtige Anreiz damit Menschen wieder an Arbeit kommen.
00:08:28: Ich fürchte nein.
00:08:31: Und Frühverrentung sollte ausgesetzt werden, um auch das Rentensystem zu stabilisieren?
00:08:38: Ich würde eher denken Nein!
00:08:40: Ich auch.
00:08:41: ich bin allerdings auch jetzt keine Rentenssystem-Expertin aber ich sag auch Nein.
00:08:45: Okay
00:08:46: diese Woche sind wir also an der Punkt wo ihr euch relativ einig seid sagen wir aber schauen wir mal in die Diskussion und weil ihr ja gerade schon sozusagen das Thema aufgegriffen habt gehen wir immer in die pflege.
00:08:58: Debatte rein.
00:09:00: Das Gesundheitsministerium hat einen ersten Gesetzentwurf zur Pflegereform vorgelegt.
00:09:04: Kinderlose sollen mehr zahlen, der Beitrag steigt um durcheinens Prozentpunkte.
00:09:09: Gutverdiener werden stärker belastet.
00:09:11: die Betriebsbeitrags-Bemessungsgrenze soll angehoben werden.
00:09:15: Wer mal jetzt siebzigtausend Euro verdient soll gedeckelt werden.
00:09:19: das soll Einsparung von elf Milliarden Euro bringen.
00:09:21: Gleichzeitig wird die Geldleistung von hundert und dreißig Euro bei Pflegegrad eins gestrichen.
00:09:26: Wer sie jetzt hat, bekommt sie aber trotzdem weiter.
00:09:29: Pflegende Angehörige vor allem Frauen sind das dann ja sollen weniger Zuschüsse für die Rentenversicherung bekommen.
00:09:35: Diese sollen von Hundert auf Siebzig Prozent gesenkt werden.
00:09:38: Mini-Jama sollen ab sechshundert drei Euro Einkommen in die Pflegefersicherung einzahlen.
00:09:44: Du hast ja schon sehr neu mit dem Kopf gewackert.
00:09:47: Dich scheint es dir zu entsetzen, Helena wenn du das erstmal so hörst.
00:09:50: was hältst du von diesen ersten Maßnahmen?
00:09:52: Also da gibt's ja noch mehr aber das sind jetzt mal die prägnatesten würde ich sagen
00:09:57: Ja ich würde sagen da sind einfach Sachen auf die falschen Schultern verlagert.
00:10:02: Es ist auf jeden Fall falsch den Zuschuss für Pflegegrad eins zu streichen Grenzenpunkte zu kürzen.
00:10:09: All diese Dinge, die gehen ja zulasten von Menschen, die ohnehin schon finanzielle Schwierigkeiten haben und die auch wahnsinnig viel zu tun haben.
00:10:17: Also weiß ich nicht... Es kommt eher alles ein bisschen... Es kommen eher alles so wie viele Reformverschläge in der letzten Zeit einfach falsch war.
00:10:25: Das muss woanders hin verteilt werden.
00:10:28: Wenn ihr das hört, welch Gemütslage löst es eigentlich in euch aus?
00:10:32: Macht euch das Sorgen!
00:10:33: Glaubt ihr, ihr könnt das alles mal schultern?
00:10:37: Sinnig ist, weil dieses System sich so nicht mehr erhalten kann.
00:10:40: Aber es müsste halt anders angesetzt werden, Isabel?
00:10:44: Es sind alles sehr große und komplexe Fragen gerade wenn wir jetzt ins Detail gehen.
00:10:48: was sind die einzelnen Reformvorschläge in diesem Paket?
00:10:50: da muss ich vor weg schicken.
00:10:52: also ich entnehme das den Nachrichten und versuche mir eine Meinung zu bilden.
00:10:55: ja also und Ich glaube dass es auf jeden Fall erforderliche Reform Vorschlägen zu machen auch sehr schwierig ist und das es sehr komplexe Themen sind.
00:11:05: Das will ich mal vorweg schicken, und ich kann nicht garantieren dass sich jetzt in jedem einzelnen dieser Themen so tief drin stecke, dass ich da jetzt wirklich fundiertes dazu sagen kann.
00:11:13: Grundsätzlich geht's ja um sehr große Gerechtigkeitsfragen in der Gesellschaft also wer leistet welchen Anteil, wem wird was zugemutet?
00:11:22: Und wie sprechen wir über welche Gruppen und die zu lösen?
00:11:27: Da hätte ich jetzt aus meiner Prägung und aus meiner Haltung, auch aus dem was ich unternehmerisch tue immer den Ansatz zu sagen wir können nicht immer mehr den Schwächeren und Schwächsten der Gesellschaft aufgürden sondern ich würde immer bei denenjenigen versuchen anzuzapfen die aus meiner Sicht zu wenig beitragen.
00:11:43: Und das sind ganz andere Gruppen nämlich sehr reiche große Erbschaften
00:11:47: usw.,
00:11:48: die großen Debatten über Vermögenssteuer- und Erbschaftsteuer zum Beispiel haben.
00:11:52: Das mal so vorweggeschickt!
00:11:54: Deine Frage war jetzt, können wir das stemmen und können wir es leisten?
00:12:01: Also ich persönlich habe den Eindruck dass dem Beitrag den Ich leiste zum Beispiel über gesetzliche Krankenversicherung in der ich freiwillig drin bin.
00:12:11: Über Steuern die ich als Privatpersonen- und Unternehmerin zahle und so was Dass das Leistungen sind die angebracht sind die auch gerne für einen starken Sozialstaat erbringe Und ich gehöre nicht zu denjenigen die sagen wir als Mittelschicht oder ich, als Person bin wäre dazu stark belastet.
00:12:31: Sondern ich finde das richtig so dass es diejenigen die das können einen großen und auch viel größeren Beitrag zu diesem Sozialstaat unter Gesellschaft leisten.
00:12:39: Und jetzt habe ich mich natürlich ein bisschen vorbereitet und hab auch noch mal so zum Thema weil du steigst jetzt ein mit Pflege und Gesundheit geguckt wo stehen wir da eigentlich als Deutschland?
00:12:49: Und versucht so'n Gleichgewicht zu finden.
00:12:51: aus geben eigentlich Studien und Studienlage her.
00:12:54: Und was ist so ein persönlicher Eindruck?
00:12:57: Was ich da gefunden habe, ist dass wir auf Ausgabenseite auf Platz drei weltweit stehen und das wir auf Gesamtperformance Einschätzung auf Platz neun von zehn stehen sind unterschiedliche Studien die das zeigen.
00:13:11: Und da ist aus meiner Sicht natürlich ein riesengroßes Ungleichgewicht, dass man sagt das System ist auf der einen Seite sehr teuer und auf der anderen Seite ist die tatsächliche Versorgung und Lebenserwartungen und sowas im Vergleich zu Industriestarten nicht so gut.
00:13:24: Und daraus folgt man muss an Stellschrauben drehen oder auch schauen wo kann man Dinge einsparen?
00:13:28: Ich glaube das steht sicherlich auch klar im Raum.
00:13:30: oder wo kann Man Gelder besser verteilen ist vielleicht eher so.
00:13:33: die Frage gar nicht so Wo kann man Einsparen sondern wie kann man Das was wir in dieses System reingeben, besser einsetzen.
00:13:42: Ich glaube das ist so die wesentliche Frage aber da bin ich nicht die Person die das letztendlich beantworten kann.
00:13:47: Du arbeitest ja mit deinem Verein sanktionsfrei vor allen Dingen mit den Menschen die sozusagen auf dieses System angewiesen sind wenn es jetzt zum Thema Pflege kommt.
00:13:58: habt ihr da auch Fälle bei euch im Vereinen
00:14:01: die
00:14:02: da betroffen von sind als du uns da mit rein nehmst?
00:14:06: Ja, natürlich.
00:14:06: Also ganz viele Menschen die pflegen, sei es ältere Angehörige oder Kinder sind in Bürgergeldbezug und natürlich sind das auch meistens Frauen.
00:14:17: Es gibt natürlich auch Ausnahmen dass es Männer sind aber in der Regel sind das Frauen Und die wird solche Pläne ganz besonders betreffen bei einerseits pflege grad eins bei Kindern Natürlich für Menschen im Bürgergeld eine wichtige Geldleistung ist weil sie nicht angerechnet werden darf.
00:14:35: Das heißt, das würden Leute zusätzlich bekommen.
00:14:37: Und das halte ich für wirklich wichtig, dass sie eigentlich dieses Geld nach wie vor bekommen.
00:14:42: Das kann nicht sein, dass das gekürzt wird und dann dieses, dass man bei Minijob auch einzahlen soll?
00:14:48: Das würde die Leute ja auch betreffen, weil viele Menschen im Bürgergeld Minijobs machen entweder, weil sie nicht mehr arbeiten können zum Beispiel, weil Sie in der Pflege tätig sind oder weil Sie gar nicht mehr Arbeit bekommen.
00:15:01: Und ich halte es für grundfalsch, dass Arbeit gerade in den niedrigeren Bereichen der ad hoc besteuert oder das die Menschen da so viel abgeben müssen während eben Kapital erträger und Vermögen irgendwie unangetastet bleiben.
00:15:14: Und da sind also von diesen konkreten Reformvorschlägen, grade Menschen im Bürgergeld, also die Allerärmsten auf stark vom Betroffen.
00:15:23: Ich habe mir einen Beitrag von dir gesehen wo du sagst, dass Bürgergeld beziehungsweise die Grundsicherung Das betrifft ja nicht nur Menschen, die das beziehen.
00:15:31: Sondern es betrifgt auch alle Menschen, der halt arbeitend sind.
00:15:35: Was ist denn da der Zusammenhang eigentlich?
00:15:37: Weil ich glaube viele in dieser Gesellschaft sind immer noch so da, dass betrifkt mich ja nicht und deswegen kann man vielleicht auch einfacher sich davon abgrenzen.
00:15:46: aber warum sollten wir das eigentlich nicht tun?
00:15:48: Ja also man kann natürlich immer sagen... Man kann die eigene Betroffenheit von Menschen reinholen und manchmal macht es sie dann weicher.
00:15:55: Also zum einen würde ich sagen, grundsätzlich sollten wir die Grundsicherung nicht angreifen einfach für die Menschen, die davon betroffen sind.
00:16:00: Aber wenn wir jetzt eine eigene Betroffene herstellen müssen dann kann man das ganz einfach machen indem wir uns klarmachen dass letztendlich die Grundssicherung oder das Bürgergeld das allerletzte Sicherheitsmetz ist.
00:16:11: erstmal in das Kannst alle Menschen fallen, wenn sie krank werden oder irgendein Schicksalsschlag erleiden?
00:16:17: Sei es von einem Trauerfall bis hin zu einer Kündigung und nicht wieder Neueinstellung.
00:16:22: Ja wird über kurz oder lang das Bürgergeld die letzte Option sein erst mal für fast alle Menschen.
00:16:27: Es sei denn man ist wirklich reich also richtig reich auf dann muss man erstmal verbrauchen was man hat Und dann kommt man immer in die Grundsicherung.
00:16:35: aber viele von uns betrifft das nicht.
00:16:37: Die meisten von uns sind nicht richtig reichen.
00:16:38: die meisten von Uns werden nach ein paar Jahren in der Grundsicherung landen.
00:16:42: Und wir können nie wissen, ob zum Beispiel unser Kind tot krank wird und wir das pflegen müssen.
00:16:47: Wir können nie wissen, ob unsere Eltern todkrank werden und wir die pflingen müssen weil das Pflegesystem überlastet ist oder weil sie sich die Pflege gar nicht leisten können.
00:16:54: Wir kann nie wissen ob wir selber todkrank werden und plötzlich nicht mehr dazu in der Lage sind zu arbeiten.
00:16:59: auch dann leiten wir erstmal in der grundsicherung.
00:17:01: bei fast jeder chronischen Krankheit ist man irgendwann in dergrundsicherung über ein paar jahre selbst wenn man dann irgendwann Erwerbsunfähig ist oder so.
00:17:10: Erst mal ist das die Grundsicherung, in die wir
00:17:12: kommen.".
00:17:13: Und selbst sei es keine Krankheit von einem selbst oder Angehörigen, dann kann eine Kündigung gerade in Zeiten von wirtschaftlichen Krisen einen natürlich auch treffen und dann ist man nach einem oder anderthalb Jahren auch in der Grundsicherung.
00:17:25: Dann muss man schon Vermögen aufbrauchen und dann isst man ganz schnell arm und die nächste Stufe wirklich krasser Altersarmut weil man ja die Vermögens nicht behalten darf, die man sich aufgebaut hat vielleicht in jahrzehntelanger Arbeit.
00:17:39: Und genau, ich glaube das macht man sich immer nicht klar dass man selber auch betroffen sein kann.
00:17:43: Dass man das nicht beeinflussen kann ob man ein Auto und fei hat oder Krebs bekommt oder das Kind krank wird.
00:17:49: Ich wiederhole mich ich weiß aber ich finde es so absurd dass das den Menschen so weit entfernt vorkommt und dass viele sich nicht klar machen dass ganz viele Leute eben genau aus solchen Gründen im Bürgergeld sind.
00:18:00: dabei sprechen die Zahlen ja auch für sich.
00:18:03: Die Mehrheit der Menschen sind im Bürgengeld Aus eben jenen genannten gründen.
00:18:08: Und der zweite Punkt, warum uns das auch betrifft ist.
00:18:11: Weil diese Drohkulisse die das Bürgergeld oder die Grundsicherung ist... Sie isst ja eine Drohku-Lisse.
00:18:17: kaum einer sagt oh toll ja kein Problem wenn ich gekündigt werde dann mache ich einfach Bürgergeld.
00:18:22: Sondern sagen wir bloß nicht Bürgergeld.
00:18:24: und das heißt Diese Drohkolisse wirkt bis in die mittleren Geheilssegmentereien.
00:18:29: also irgendwann kommen Menschen häufig in einen Zustand, wo sie sich davon gar nicht mehr irgendwie betroffen fühlen.
00:18:36: Aber die Allermeisten würden fast jede Arbeit machen los um nicht in Grundsicherung zu fallen.
00:18:42: und das heißt auch dass man weniger Ansprüche stellt sowohl an Arbeitsbedingungen als auch Anbezahlung.
00:18:47: Und es ist sinnvoll wenn wir eine Arbeitskraft oder Arbeiterinnen haben die Forderungen stellen weil viele Betriebe können auf Forderung erfüllen und die kommen natürlich gut weg dann keine Forderungen an sie gestellt werden.
00:19:01: Isabell, so aus Unternehmer in den Sicht.
00:19:04: Also wir haben jetzt einmal die Perspektive von wie schnell kann man eigentlich selbst da drin landen?
00:19:10: Da würde ich gerne gleich nochmal mit dir reden aber davor würde ich gern noch mal die Perspective aufmachen so aus dieser Sicht von wenn man auch Chefin ist sozusagen und Sanktionen sollen ja auch dazu führen dass Leute es sich nicht zu bequem machen im Bürgergeld und schnell wieder rausgehen.
00:19:26: hast du das Gefühl wenn du dich in deinem Umfeld umschaust durch diese Drohkulisse und Abschreckungen, dass dann auch die richtigen Leute zum Beispiel in den Unternehmen auch ankommen oder du die dann auch finden kannst.
00:19:40: Oder ist es vielleicht so, dass sie gar nicht so langwierig in Unternehmen drinstecken und die richtige Leute findest?
00:19:46: Das muss ich erstmal ein bisschen aufdröseln... Weil ich glaube, wir haben eine grundsätzlichen Widerspruch in der Frage.
00:19:51: Wenn du fragst, kommen die richtigen Leute in die Jobs und du fragtest mich das als Unternehmerin?
00:19:55: Und wir nehmen als Hintergrund sozusagen drohendes Bürgergeld, das sprechen nicht über die richtige Gruppe.
00:20:01: Weil die Leute, die ich jetzt sozusagen als Unternehmerin beschäftige aktuell sind das hundert Prozent Akademikerinnen, die studiert haben und die natürlich auch durch Jobverlust Helena von dir beschrieben.
00:20:16: Klar gibt es dieses Szenario was passiert wenn ich diesen Job verliere, bin ich dann selber schneller als mir lieb ist im Bürgergeld klar das gibts aber.
00:20:25: Ich habe noch nie jemanden eingestellt über eine Vermittlung übers Job Center zum Beispiel sondern ich finde die Menschen eine Ausschreibung über Empfehlungen.
00:20:34: Ich habe zwei Unternehmen gegründet, die sich beide mit Gleichberechtigung, Fairness vielfällt in der Arbeitswelt beschäftigen.
00:20:39: das heißt ich hatte noch niemals ein Problem sehr gut qualifizierte Menschen für unsere was man auch sagen muss sehr kleinen Teams zu finden.
00:20:47: ja also es sind zwei Teams mit jeweils sechs Personen also fünf plus ich.
00:20:51: Das heißt dass sind nicht die Personen die weiß ich nicht aus dem Bürgergeld oder aus der Arbeitslosigkeit kommen und zum Beispiel über die Arbeitsagenturen uns vermittelt werden.
00:20:59: das ist gar nicht mein Umfeld.
00:21:01: Das muss ich vorweggeschicken, ja?
00:21:03: Also deshalb trifft die Frage kommen die richtigen Menschen an der Stelle an mich als Unternehmerin.
00:21:08: Die falsche?
00:21:08: denn ich habe dazu gar keine Berührungspunkte.
00:21:12: das muss sich einmal so vorweg schicken.
00:21:14: wie schnell kann das menschen betreffen Helena?
00:21:17: da muss ich hundert prozent zustimmen.
00:21:19: also erstens Als sehr kleine unternehmerinnen in einem bereich der aktuell massiv betroffen ist von einem generellen Umschwung im Zeitgeist und sehr großen Budgeteinsparungen in großen Unternehmen, die zum Teil sagen das sind gerade nicht die Themen.
00:21:37: Die uns beschäftigen sind nicht die Themen für die wir Geld ausgeben.
00:21:40: Sind wir selber jetzt nicht ein Unternehmen wo man sagt hier werden massive Gewinne nicht umverteilt?
00:21:46: Wir sind unter dem dass keine Gewinde macht und versucht in diesem Umfeld zu überleben.
00:21:51: so was ich aber mitbekomme einerseits als Grunderin eines Netzwerks von Frauen in Führungspositionen wo per se sehr gut qualifizierte Frauen drin sind, die wiederum überproportional betroffen sind von Kürzungen und Kündigungen gerade in großen Unternehmen.
00:22:07: Weil sie häufiger in Teilzeit sind unter anderem und deshalb häufig zu den ersten Stellen gehören, die abgebaut werden auch in sehr gutqualifizierten Jobs.
00:22:17: also diese Frage wie schnell kann man eigentlich davon betroffen sein?
00:22:20: Von Arbeitslosigkeit und drohende Bürgergeld?
00:22:22: dieses Grad Also wirklich sehr präsent und zwar nicht nur in gering qualifizierten Kreisen, sondern auch in sehr gut qualifiziert Akademikerinnenkreisen.
00:22:30: Das kann ich also aus eigener Erfahrung.
00:22:32: Ich kenne einige Beispiele aus dem engsten Umkreis wo Menschen aus sehr guten und sehr gut bezahlten Jobs den Job verloren haben und tatsächlich innerhalb von zwei Jahren keinen neuen Job gefunden haben und in der Tat Bürgergeld beziehen.
00:22:47: Also das als Beispiele und Illustration, wie schnell kann es eigentlich gehen?
00:22:50: Und zwar nicht nur im gering qualifizierten Sektor sondern auch im sehr gut qualifiziertem Sektoren.
00:22:56: Das ist was so in den letzten sag mal so ein zwei Jahren wahrscheinlich wo man so sagt diese sicher geglaubte Position dass man sagt ich habe eine sehr gute Ausbildung investiert hab studiert werne mich eigentlich auf der sicheren Seite In einem sehr guten Job.
00:23:12: also das schwindet ja auch gerade massiv Und das ist was, dass ich aus eigener Beobachtung kenne und immer wieder erlebe.
00:23:20: Das ist eine beängstigende Entwicklung aber eigentlich auch Ausdruck der generellen Krisensituationen in der wir uns ja befinden.
00:23:27: Um wie viel stärker kommt das noch mal an bei Menschen die nicht diese sehr guten Voraussetzungen haben sondern aus einer alleinerziehenden Perspektive von psychischer oder anderer Erkrankungen geringer Qualifikation
00:23:42: usw.,
00:23:42: da ist es natürlich nochmal ins x-fache verschärft und wirklich existenzbedrohend.
00:23:48: Und ich glaube, das erleben wir oder Helena.
00:23:50: Ich meine, dass ist dein täglich Brot?
00:23:51: Und ich bin sozusagen an der Stelle sehr gut qualifizierten und eigentlich bereits privilegiert.
00:23:57: Aber da kommt es auch an sicherlich nicht in selben Ausmaß aber dann kommt das auch an und ist spürbar.
00:24:04: Was würdest du denn dazu sagen?
00:24:05: also bei Du hast ja wahrscheinlich nochmal einen anderen Blick weil Du mit einem anderen Segment von Armut betroffenen Menschen die vielleicht nicht so gut qualificiert sind zu tun hast.
00:24:14: Also klar, es gibt geringqualifizierte Menschen im Bürgergeld.
00:24:18: Aber es gibt auch sehr viele sehr gut Qualifizierte die jahrelang Bewerbungen schreiben und keine Jobs finden.
00:24:24: das ist jetzt kein Randphänomen.
00:24:26: Und dann haben wir natürlich diese ganzen Alleinerziehenden und die Kranken und die Pflegenden und sie sind ja nicht alle zwangsläufig gering qualifiziert nur die Haben einfach keine Situationen der Sie Vollzeit arbeiten können oder so.
00:24:36: und ich finde Es gibt aber auch noch die Perspektive als Unternehmerin.
00:24:40: Ich bin ja so gesehen auch Unternehmerinnen.
00:24:41: Ich bin auch Chefin und dass auch schon sehr lange.
00:24:44: Und das Letzte, was ich will ist Leute die ich dazu zwingen muss bei mir zu arbeiten.
00:24:51: Also das ist wirklich so... Oh Gott!
00:24:54: Ich will Leute, die Bock haben.
00:24:56: Ich will Leuten, die etwas lernen wollen, die sich einbringen und so.
00:25:00: Deswegen ist es natürlich völlig blöde anzunehmen dass man gutes Personal auch das klingt so blöd gute Arbeitskraft findet wenn sie durch Sanktionen in irgendeine Situation gibt Quetscht werden, die sie gar nicht haben wollen.
00:25:14: Also ich möchte meinen Mitarbeiterinnen eine Situation bieten in der Sie sich wohlfühlen, in der sie mir geben können was ich von ihnen brauche und in der sind
00:25:24: ja
00:25:25: einfach arbeitsfähig sind.
00:25:26: und mein Ding mit das was ich mache als Chefin sozusagen auch mit voranbringen ist doch logisch.
00:25:33: Deswegen finde ich auch diesen Arbeitszwang einfach so dumm dahinter, du musst die Leute motivieren, du muss sie verführen sozusagen und es gibt natürlich Berufe, die sind nicht verführerisch aber dann muss man da wenigstens eine gute Bezahlung für hergeben und auch, weiß ich nicht, Arbeitszeiten und Bedingungen die für die Menschen irgendwie machbar sind.
00:25:53: Und es ist ja leider sehr häufig so dass Menschen ohne Verhandlungsgrundlage in Jobs gezwängt werden, die ihnen einfach gar nichts bieten weder gute Bezahlung noch gute Arbeitsbedingungen noch irgendwas sondern man wird einfach nur als Arbeitskraft ausgebeutet und die Leute gehen auch mit einer Druckkulisse in so eine Arbeit und das halte ich für grundsätzlich falsch.
00:26:13: Wenn ich mir bei jungen Menschen gerade meine Umgebung angucke Ich hab das Gefühl, entweder du hast gerade sehr gute Arbeitsbedingungen und ein cooles Team.
00:26:22: Und du glaubst an das womit du grade arbeitest oder du hast halt sichere Bedingung.
00:26:27: Nehmt ihr das in eurer Umgebung auch so wahr?
00:26:30: Ich habe irgendwie das Gefühl in Deutschland kann man grad nicht beides haben Isabel ja
00:26:35: Ja und da hab ich auch an dich Helena weil wir haben bisher sehr viel Einigkeit.
00:26:39: vielleicht eine Frage die ist gar nicht kritischer sondern es ist ne ernsthafte Frage wie du das siehst.
00:26:46: Das was du ansprichst Dennis, dieses Abwägen habe ich jetzt den Job mit dem perfekten Bedingungen der auch noch perfekt zu mir passt oder mache ich Abstriche entweder beim Inhalt weil er vielleicht nicht so gut zu mir passt aber ich bessere Bedingung finde.
00:26:58: Oder bei der Bezahlung weil es inhaltlich passt aber die bezahlung ist eben nicht besser.
00:27:01: Ja das ist ja... Ich glaube das ist eine Abwägung die ist irgendwie allgegenwärtig weiß ehrlich nicht wie sich das auflösen lässt.
00:27:07: und Helena Du hat es da gerade gesagt man muss die passenden Bedingen bieten Und wenn der Job nicht attraktiv ist, dann eben wenigstens die Rahmenbedingungen.
00:27:15: Ich würde das grundsätzlich, würde ich das alles total unterschreiben, meine Mutter als Krankenschwester jahrelang und gerade im Osten dann auch unter Bedingung gearbeitet hier in Bayern undenkbar bis heute riesengroßer Gegensatz Das heißt, ich unterschreib das hundertprozent.
00:27:30: Meine Schwester ist Physiotherapeutin und arbeitet auch noch in Dessau.
00:27:33: Also ich hab diesen Gegensatz zwischen Ost- und Westes ja auch so ein bisschen hier Thema.
00:27:37: Den habe ich in der Familie täglich, also tägliches Thema Und ich komme aus einem Rumpfeld wo ich immer dafür plädieren würde Genau wie du sagst Hundertprozente.
00:27:46: die Arbeitsbedingungen müssen stimmen Die Bezahlung muss gut sein mit Blick auf die Rente usw.
00:27:50: So jetzt gleichzeitig bin ich eben sehr lange hier.
00:27:54: Mein Mann und ich bekommen alle beide aus Dessau, haben sozusagen denselben ostdeutschen Hintergrund.
00:27:58: Und sind jetzt hier beide Unternehmerinnen und selbstständig seit vielen, vielen Jahren.
00:28:03: Und mein Mann kommt aus dem Handwerk des Goldschmieds.
00:28:05: Klingt immer wahnsinnig klamorös.
00:28:07: was man da häufig nicht sieht ist wie schwer das ist sondern Betrieb zu führen.
00:28:11: Er hat seit achtzehn Jahren seine goldschmieder und hat dort jetzt aktuell vier Angestellte.
00:28:16: Und ja, das ist eine Situation.
00:28:18: Wir hatten Corona.
00:28:19: dieser Laden war monatelang geschlossen aufgrund von Pandemiebestimmungen.
00:28:24: Dann gab es Umbaumaßnahmen unsere Straße war über ein Jahr gesperrt und so.
00:28:28: also Es ist so dass diese dieses kleine handwerkliche Geschäft überlebt Ist Dass da oben gold drauf steht zum trotz extrem schwierig und stand schon x mal davor dass das einfach auch nicht weiter ging.
00:28:40: Und er beschäftigt jemanden der hat ne achtzigprozentige schwer Behinderung Vier Mitarbeitende, die einer verdient sich neben der Rente.
00:28:47: Was dazu?
00:28:48: Also sozusagen alles was wir ich in meiner täglichen Arbeit als Vielfalt groß labeln und dafür sprechen das lebt er ohne jemals dafür zu sprechen in seiner unternehmerischen Tätigkeit weil genau diese Menschen In Rente mit schwer Behinderung mit pücheren Beeinträchtigungen Das sind seine Angestellten.
00:29:07: Und also so ein Betrieb, den nehme ich jetzt mal exemplarisch für viele kleinere Betriebe ja.
00:29:12: Ob das ein Zeitungskiosk ist?
00:29:13: Ein kleines Geschäft I don't know!
00:29:15: Die sind in der Tat nicht in der Lage diese Bedingungen Helena die du gerade beschrieben hast zu gewährleisten.
00:29:22: Ist er nicht.
00:29:23: Er is als Unternehmer jemand der sich seit fünfzehn Jahren kein eigenes Gehalt auszahlt und immer nur dann sozusagen was übrig bleibt, nachdem die Gehälter der anderen bezahlt sind und die sind auf Mindestlohnniveau.
00:29:39: Und da kann man jetzt natürlich hingehen und sagen das ist nicht okay, das sind Menschen, die haben eine Meisterqualifikation, die müssten viel mehr verdienen und ich glaube wir würden das in der Theorie als Menschen jederzeit unterschreiben.
00:29:50: aber es ist nicht möglich.
00:29:52: Dann steht die Frage im Raum soll es diesen Job geben?
00:29:58: Wenn du die Angestellten fragst dann wollen sie diesen Job auch!
00:30:01: haben, sie sind froh ihnen zu haben.
00:30:03: oder sagst du die Bedingungen sind nicht adäquat und dann kannst diesen Job eben nicht geben.
00:30:09: Ich habe gerade letztens ein Interview gehört.
00:30:11: ich glaube das war in deinem letzten einem deiner letzten Podcasts denn es da hat jemand ich weiß nicht mehr wer hat gesagt die Unternehmen die das nicht leisten können ja die sollten sich mal fragen ob Sie sozusagen dann unternehmerisch so stabil sind.
00:30:22: dass ist die.
00:30:23: dann kann's die Unternehmen eben nicht.
00:30:26: Ja, also kann man haben diese Meinung aber dann gibt es eben auch ganz viele Jobs nicht.
00:30:30: Die vielleicht nicht den Bedingungen entsprechend die wir uns wünschen würden Aber dann wären diesen Menschen in der Tat im Bürgergeldbezug.
00:30:38: ja und das ist so.
00:30:39: Also das frage ich so mal deine Richtung Helena weil das ist wirklich so unser tag unsere tägliche Diskussion Und da bin ich natürlich.
00:30:46: also da habe Ich so ein bisschen dass die Unternehmerin Identität und unter dem Strich ist Es So okay Das Kann Man hier bieten.
00:30:53: nimm den Job oder sag, es passt nicht.
00:30:56: Und dann hast du diesen Job aber nicht?
00:30:57: Das ist wirklich die Konsequenz.
00:30:58: Die Konseqenzen sind nicht.
00:31:00: Dann verhandeln wir halt über mehr Gehalt.
00:31:03: Nee das ist ja auch völlig klar!
00:31:04: Es gibt ja Unterschiede zwischen kleinen Unternehmen und großen Unternehmen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und Arbeitsbedienungen, die ein vielleicht nicht reich machen, aber die eben daran liegen dass die Möglichkeiten keine anderen sind.
00:31:16: und ich würde mal stark davon ausgehen dass sie mitarbeitenden bei deinem Mann jetzt sich nicht von ihrem Chef ausgebeutet fühlen, sondern dass Sie trotzdem eine Struktur haben in der Sie irgendwie gerne freiwillig auch sind selbst wenn die Bezahlung nicht so gut ist.
00:31:31: Der alle gemeinsam kämpfen ist da eher so.
00:31:33: Alle gemeinsam kämpfen darum das es das weitergeben kann.
00:31:36: Sie
00:31:36: sehen ja jetzt auch nicht, dass dein Mann dann mit drei Ferraris vorfährt und sie Mindestlohn bekommen ne?
00:31:42: Aber das gibt es eben an ganz vielen anderen Stellen schon.
00:31:46: Also, was weiß ich?
00:31:47: Welche DHL-Hubs oder Reinigungskräfte in Krankenhäusern die immer ausgebeutet werden.
00:31:53: Wo die Ausbeutung einfach nicht notwendig ist und wo man auch nicht im kleinen Betrieb ist und sagt okay wir ziehen hier alle am selben Strang.
00:32:00: es ist nur mal schwierig wir können uns nicht sonst etwas austeilen.
00:32:03: Ich finde da gibt's sehr große Unterschiede und dann würde jetzt so kleine Betriebe wie die von deinem Mann würde ich gar nicht per se verurteilen überhaupt nicht.
00:32:10: Wenn das nicht anders geht, dann geht das nicht an das.
00:32:12: Und dann ist es gut.
00:32:13: dass es einen Mindestlohn gibt finde ich auch in Ordnung, dass der muss dann halt eingehalten werden und mehr geht da nicht.
00:32:20: Aber den Mindestlohn auf alle Firmen zu übertragen also jetzt zum Beispiel habe ich letztens den Arbeitsvertrag von einer Person im Bürgergeld gesehen die einen neuen Minijob angefangen hat bei Chibo und die verdienter dreizehn Euro einviert sich brutto.
00:32:34: und da denke ich mir nur so ihr Wichser, Entschuldigung aber ich kann es wirklich nicht anders sagen Chivo kann mehr bezahlen.
00:32:40: Das ist einfach nicht in Ordnung, dass Chibo brutto, dreizehn Euro einviertzig bezahlt.
00:32:45: Ich konnte mich darüber empören, das zum geht nicht mehr und das finde ich eine völlig andere Situation als der Goldschwede wo auch immer, wo es halt nicht anders geht und da fühlen sich wie gesagt denke ich die Menschen auch nicht komplett ausgebeutet sondern es ist ne andere Situation.
00:33:00: Das war damals Isabelle der Christoph Goldberg, der das erzählt hat.
00:33:04: Der Autohäuser in Brandenburg und der auch gesagt hat naja wenn die Kette gegenüber ihr könnt euch auch gerne nochmal die Folge anhören haben wir über Arbeit geredet mit der Gewerkschafterin zusammen um Christoph war halt auch so, na wenn die Kette gegenüber, die kann halt ganz andere Preise abrufen als ich und deswegen kann ich halt zum Beispiel keinen Mindestlohn zahlen weil ich sonst den Laden hier dicht machen könnte.
00:33:25: Und dann ist ja immer die Frage sollen die Jobs weiter bestehen oder mache ich den Laden dicht, stelle mich irgendwo als Geschäftsführer ein oder lasse mich einstellen?
00:33:32: Und habe es für mich selbst einfach nur gut!
00:33:34: Aber in der Gesundheitsreform ist auch ein Punkt um Einsparungen hinzubekommen Die PflegerInnen.
00:33:40: und da haben wir gerade schon drüber gesprochen aus der Tarifbindung raus zu nehmen dass es zu teuer ist für die Krankenhäuser, dass sie immer diese Lohnsteigerung bekommen.
00:33:50: Und gleichzeitig haben wir in den letzten Jahren ja für die Pflegerinnen geklatscht und die haben einen harten Job.
00:33:55: Jetzt will man aber das Pflegesystem damit retten?
00:33:59: Wenn ihr das hört ... Was jetzt tut ihr zum Beispiel davon, Isabel, weil du meinst auch deine Mutter arbeitet genau in dem System?
00:34:06: Nicht mehr, jetzt ist sie in der Rente, aber sie hat lange drin gearbeitet.
00:34:10: Es ist für mich komplett an der falschen Stelle angesetzt!
00:34:15: Weil das sind ja die Strukturen, der Freund meiner Tochter ist Kinderpfleger und arbeitet im Kindergarten.
00:34:21: Und also wenn man die Pflege ins Krankensystem in Kinderbetreuung
00:34:26: usw.,
00:34:27: Schulen und so Bildungssystem schaut, das sind nur mal irgendwie die Grundlagen und Säulen der Gesellschaft, die ganz vieles tragen und am Laufen halten.
00:34:35: Das wäre für mich immer der falsche Ort um zu sparen.
00:34:39: Ich bin da komplett... Auf der Seite zu sagen, lass uns an anderen Stellen schauen.
00:34:43: Wo kann man größere Quellen anzapfen?
00:34:46: Die wesentlich potenter sind als ausgerechnet dieses System.
00:34:50: Und trotzdem ist das immer ein Spannungsfeld, wenn wir über Wirtschaftlichkeit sprechen.
00:34:54: Da bin ich viel zu wenig drin dabei, wenn ich natürlich eine Pflegeeinrichtung oder einen Krankenhaus oder wie auch immer im Osten betreibe.
00:35:02: meine Mutter hat in einem privaten Pflegedienst zuletzt gearbeitet die so vierundzwanzig Stunden Betreuung von schwerkranken PatientInnen gemacht haben und da sind wiederum halt auch ganz kleine Betriebe zur Träger mit Ich weiß nicht zwanzig Krankenschwester-Krankenpflegern.
00:35:17: Ich kann mir vorstellen, das ist auch nicht so einfach.
00:35:19: Und trotzdem bin ich natürlich der Meinung meine Mutter in ihrem extrem verantwortungsvollen Job wo buchstäblichen Menschenleben davon abhängt ob die Person alles richtig macht war selbstverständlich extrem unterbezahlt.
00:35:31: und deshalb würde ich sagen nein an dieser Stelle darf man auf keinen Fall kürzen.
00:35:35: Und gleichzeitig, wenn ich mich in die Rolle der Pflegedienstbetreiberin hineinversetze, dann glaube ich der.
00:35:41: Wenn sie sagt das ist auch sehr schwierig so einen kleinen Laden am Laufen zu halten.
00:35:44: also es ist ein riesengroßes Spannungswert?
00:35:46: Ich habe die Antworten darauf.
00:35:47: nicht bin keine Gesundheitspolitikerinnen aber ich sehe aus der eigenen Erfahrung entweder aus der Beobachtung in der Familie oder aus der eigen unternehmerischen Rolle durchaus die Widersprüche an der Stelle und glaube die sind sehr schwer aufzulösen.
00:36:01: Das betrifft jetzt nicht irgendwelche riesengroßen Pflegekonzerne und Betreiber von X-Privatkliniken, das ist einfach ein völlig anderes Setting!
00:36:10: Ich will jetzt noch mal aber so als letzte Frage auf Ost und West nochmal kommen in deiner Arbeit helle nach.
00:36:16: kannst du dir vorstellen weil das überleg ich mir nämlich auch die ganze Zeit dass es ja etwas wo wir immer drüber sprechen dass dieses Naja, eine schwache Sozialpolitik ist auch ein Treiber für antidemokratische Tendenzen.
00:36:28: Weiß nicht ob du da aus deiner Arbeit auch sagen könntest okay Leute die einfach enttäuscht vom System sind wenn sich halt auch einfach vom System ab.
00:36:35: hast du dazu irgendwie einen Punkt wo du sagen könnt es ausgesprechen?
00:36:39: das spüre ich schon und das ist vielleicht doller geworden oder eher nicht so
00:36:43: Genau, ich spür natürlich das.
00:36:45: Teilweise die Menschen sich nicht repräsentiert fühlen und damit auch dann eine Abkehr einhergeht von politischer Teilnehmern.
00:36:52: aber ich spüre auch das Gegenteilen muss ich sagen.
00:36:54: also dass Leute sich gerade engagieren weil sie das Gefühl haben Sie werden immer weniger gesehen und da hat ja auch letztes Jahr mit den Haustürwahlkämpfen zum Beispiel irgendwie so ne ganz große Mobilisierung stattgefunden und immer mehr junge Menschen vor allem haben sich politisch mehr beteiligt gespiegelt bekommen, weil viele Leute uns eben auch folgen die doch eher aktiv sind.
00:37:14: Deswegen für mich ist alles nur anektotisch ne?
00:37:17: Ich weiß nicht ob wenn ich meine Eindrücke schäle da ich damit irgendwie was Allgemeingültiges ausdrücken kann aber es gibt das in beide Richtungen und ich kann beide Richtung total nachvollziehen.
00:37:26: also ich kann einerseits nachvollziehend dass man sagt so boah ey Und ich kann nicht mehr!
00:37:29: Ich bin raus oder dass man halt sagt so und jetzt erst recht jetzt nehme ich Anlauf und kämpfe irgendwie dafür dass es dann doch noch besser wird.
00:37:38: Ja Aber das ist wahrscheinlich auch der Unterschied zwischen so... Man kann in einem Umfeld sein, wo man dann eher gesegniert.
00:37:44: Und es gibt aber auch nur einen Umfeld, dass hier vielleicht deine Wut noch beschleunigt die dann wieder ein Aktivismus rausgeht und es ist beides möglich!
00:37:51: Wir müssen als Gesellschaft vielleicht gucken wie wir das wieder in diese Wut, in dieser Aktionismus, die wir das kanalisieren können.
00:37:58: Danke, dass du heute da warst Helena.
00:38:00: ich entlasse dich schon mal meine Weitschaft muss.
00:38:02: Danke
00:38:02: euch, tschau
00:38:03: Helena Tschüss.
00:38:04: Wir hatten letzte Woche die Infrastrukturministerin der FDP in Sachsen-Anhalt darf, Lydia Hüskens.
00:38:12: Da wurde nämlich gefragt, dass die Person im Niedriglohnensektor gearbeitet hat.
00:38:17: Sie war ein paar Jahre wegen der Kinder raus und hat sich jetzt Sorgen um die Rente gemacht weil sie halt so wenig verdient und hat überlegt ob sie in den anderes Bundesland umzieht damit sie dort zumindest mehr verdient um mehr Rentenpunkte zu bekommen.
00:38:29: Und Lydia Hüskens Antwort war, sie wundert sich erst mal darüber das sie ja nicht die ganze Zeit gearbeitet hatte Weil in Sachsen-Anhalt gibt es ja ein tolles Betreuungssystem da kann man ja erstmal eigentlich voll arbeiten Punkte und da muss man ja gar nicht hier weggehen.
00:38:43: Zu so einer Aussage, als jemand der auch weggegangen ist wie würdest du so eine Aussage bewerten?
00:38:50: Ich habe es gehört
00:38:51: die Podcastfolge
00:38:53: und mein erster Gedanke war also ich typische FDP-Aussage.
00:38:59: Ich kenne die Dame und ich fand sie hat auch gute Sachen gesagt.
00:39:02: Ich finde das schwierig weil da steckt ne Wertung drin die ja gar irgendein Erkenntnis der genaueren Umstände basiert.
00:39:10: Also im Prinzip kann ich zu dieser Aussage, ja, Ich kann dazu was sagen aber es hat nicht Hand und Fuß weil ich kenne die Lebensumstände dieser Frau nicht, ich weiß nicht wo sie wohnt, ich weiss nicht wie die tatsächliche Betreuungssituation dort ist.
00:39:23: so also von daher würde mich nicht in eine Lage sehen die zu bewerten diese Aussage und jetzt zu sagen Ja warum hat denn die Person nicht die ganze Zeit gearbeitet?
00:39:31: Basierend auf irgendwie einen Satz?
00:39:33: Es wird sicherlich irgendwie Gründe dafür geben, die ich jetzt gerade nicht kenne.
00:39:37: Ob ich das dann persönlich gut heiße?
00:39:39: Ja oder nein, ist noch mal was anderes.
00:39:40: Aber das ist erst einmal meine Antwort auf diese Aussage.
00:39:43: Ich finde sie unangebracht.
00:39:46: Da würde ich nämlich nochmal reingehen.
00:39:48: Das ist ja auch so eine Frage, weil deswegen mache ich ja unterschiedliche Bürgerinnenfolge, da geht es nicht um ... Du musst keine Expertin dafür sein und sowas alles andere.
00:39:55: Es geht darum im Dein Blick darauf.
00:39:57: Und ich dachte mir in dem Moment wie würden jetzt also in der Kommunikation mit BürgerInnen... Wie schauen die denn auf Politikerinnen, die dann so sozusagen auch Aussagen fällen.
00:40:08: Schafft das dann tatsächlich Vertrauen zwischen Politik und Bürgerinnen?
00:40:12: Das habe ich mir in dem Moment gedacht!
00:40:15: Ja, natürlich nicht.
00:40:16: Weil jetzt ich an der Stelle dieser Frau, wenn ich mich da reinversetze und ich höre diese Aussage, dann wäre es meine erste Reaktion Widerstand dagegen und der Wunsch zu erwidern ... Du weißt doch überhaupt nichts über mich!
00:40:29: Du müsstest erst mal nachfragen und versuchen sich in die Perspektive hineinzuversetzen und dich dafür interessieren, warum ist das so?
00:40:37: Ich würde an der Stelle von der Politikerin eben auch erwarten, dass sie das einordnen.
00:40:41: Und ich sage ja, warum hat denn die Person nicht ihr Leben lang gearbeitet sondern zumindest mal einräumt, ich kenne ja die genauen Umstände jetzt gar nicht.
00:40:50: Aber die Fragen, die sich für mich stellen würden könnten sein so ein bisschen auf die Meta-Ebene zu gehen und nicht einfach reflexhaft kann ich als auch gar nicht so.
00:40:58: So kam es bei mir an, als ich's gehört habe und sehr wertend eben darüber zu sprechen.
00:41:03: Aber jetzt war auch so deine Frage, was ist so mein Blick als Person die ja in der Tat das Bundesland verlassen hat und auch mit zwei Kindern vollzeit beziehungsweise zu Zeiten auch über Vollzeit.
00:41:14: Also in der Grundungsphase sage ich glaube ich nichts Falsches als wenn ich sage da hat man nicht immer einen acht Stunden Tag gearbeitet hat Und auch aus einer Situation kommt, in der ich selbst natürlich als Kind Kinderbetreuung im Kindergarten war Im Hort war.
00:41:28: Auch meine Kinder waren auch hier in Bayern In der Kinderkrippe mitten im Jahr.
00:41:32: Das war ein Unterschied zu vielen anderen, die hier wohnen.
00:41:35: Also ich würde glaube ich die Anforderungen der FDP-Politikerin ganz gut erfüllen mit Vollzeitarbeit und Kindern und Arbeitgeberinnen usw.
00:41:46: Trotzdem stimme ich mit ihr nicht überein.
00:41:48: Wie blicke ich da drauf?
00:41:50: Ich kann aus der eigenen Erfahrung sagen... Wir haben natürlich, also wir sind hier, zwei Tausend Eins sind wir hergekommen.
00:41:58: Dann seit siehundertzig habe ich Abi gemacht und das war zu einer Zeit in der in Dessau Sachsen-Anhalt wo ich herkomme es sehr wenig Chancen gab sich irgendwie gut weiterzuentwickeln.
00:42:09: Also aus meiner Klasse sind Ich glaube wirklich alle haben Dessaut verlassen.
00:42:13: Mittlerweile sind ein paar zurückgezogen, aber damals sind alle weggegangen.
00:42:17: Nicht alle in den Westen, da sind noch viele nach Leipzig und Berlin gegangen, aber viele eben auch.
00:42:22: Und wir gehörten zu denen die ganz klar geschaut haben wo findet sich jetzt eine Chance?
00:42:29: Dieses Babyjahr von dem ich vorhin sprach, wo ich selber auch in sozusagen so einer Sozial- und vom Staat finanzierten Wohnung gewohnt habe das war gar nicht im Westen Das war in Quedlinburg also auch in Sachsen-Anhalt weil da es den Versuch gab, Goldschmiede von meinem Mann zu eröffnen.
00:42:44: Es hat dann nicht funktioniert und so sind wir in Bayern gelandet.
00:42:46: aber das war jetzt gar nicht dieses Wir gehen sofort in den Westen sondern es war zumindest die Bereitschaft.
00:42:51: wo finden wir eine Perspektive?
00:42:53: Und da gehen wir da noch hin!
00:42:55: Da ist für mich der wesentliche Punkt sozusagen diese Mobilität eben nicht zu sagen wir sind darauf festgelegt hierzu bleiben soll.
00:43:01: wir schauen durchaus wo bietet sich eine gute Perspektiv Wie so viele andere, muss man sagen.
00:43:07: Letztlich doch in den Westen und nach Bayern geführt.
00:43:11: Wenn du es hättest aussuchen können, wärst du lieber in der Gegend geblieben?
00:43:17: Nein!
00:43:18: Weil ich hatte total Lust woanders hinzugehen.
00:43:21: Ich war nach meinem Abi ein Jahr als Opermädchen in Frankreich und danach noch mal neun Monate in Russland und hab dort unbezahlt im Krankenhaus gearbeitet.
00:43:33: in meinem Studium im ersten Semester schwanger geworden wäre und dann so ein Family-Modus gewesen wäre, dann wär ich sicherlich auch im Studium auf jeden Fall noch mal ins Ausland gegangen.
00:43:41: Also ich hatte einfach Fernweh und Lust war anders hinzugehen Und insofern war die Bereitschaft einfach woanders hin zu gehen jetzt erst einmal im Prinzip egal wohin.
00:43:51: Die war sehr sehr groß.
00:43:52: also Ich habe mich nicht gesehen dass ich in Dessau bleibe
00:43:54: Aber das ist ja auch typisch für sozusagen damals.
00:43:57: Das war bei uns auch so Hauptsache erstmal weg.
00:44:01: Es war ja auch alles grau und trist.
00:44:03: Und man hatte immer so dieses Gefühl von, ah hier passiert nichts, hier geht auch nix... Aber wie schaust du heute drauf eigentlich?
00:44:10: Heute schau ich so darauf dass das auf jeden Fall für unser Leben eine sehr gute Entscheidung war.
00:44:15: Man kann ja viele Parallelen sehen.
00:44:17: es werden auch Paralleln gezogen zwischen Ostdeutschen und anderen Migrantinnengruppen Und unsere Nachbarn hier und so die haben auch mal irgendwann Schatzhaft gesagt Ja ihr seid ja eigentlich auch Wirtschaftsflüchtlinge.
00:44:29: Ich meine, wir sind hierhergekommen mit der Perspektive.
00:44:31: Wo kann man sich was aufbauen und so sagen, wofür ich das bessere Leben?
00:44:34: Das ist vielleicht eine Parallele.
00:44:36: Jetzt gibt es natürlich ganz viele andere Parallelen nicht.
00:44:38: also die Sprachbarriere zum Beispiel abgesehen von einem Ossi Dialekt den wir damit brachten gab's die nicht.
00:44:46: Ja, man spricht auch von der privilegierten Migrationserfahrung.
00:44:49: Total!
00:44:49: Von dieser Ostdeutschen... Deswegen müssen wir uns eigentlich viel besser verstehen.
00:44:54: Wir müssten ja diese Umstände viel besser nachvollziehen könnten im Osten eigentlich.
00:44:59: Das tun wir ja auch.
00:45:00: also ich sag mal jetzt den Unterschied zu.
00:45:03: bei uns hat fünf Monate lang eine Familie aus der Ukraine gewohnt Nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges die wir aufgenommen haben.
00:45:09: Also selbstverständlich ist das ne Völlig andere Voraussetzungen zu sagen, ich verlasse mit zwei Kindern und meinem Hund meine Heimat während mein Mann noch dort ist.
00:45:17: Und das Land nicht verlassen kann und komme hierher und muss erst mal Deutsch lernen usw.
00:45:21: Ich sage nicht dass man das vergleichen kann.
00:45:23: dieser Vergleich kommt auch nicht von mir da kommt es der Forschung tatsächlich.
00:45:27: Ich fand nur eine nette Anekdote dieses Man kommt wohin auf der Suche nach einer besseren Perspektive.
00:45:33: Das ist was.
00:45:34: das haben wir genauso gemacht.
00:45:35: und wenn du mich fragst wie blickst du darauf zurück heute?
00:45:39: Dann sage ich, das war eine sehr gute Lebensentscheidung.
00:45:42: Und wir haben absolut hier einen... Das kann man schon so sagen, einen Klassenwechsel vollzogen.
00:45:51: Ja also neben dem was ich vorhin gesagt habe dass das alles gar nicht so einfach ist und dass man sich das erst mal aufbauen muss und dass das auch Unsicherheiten beinhaltet all das stimmt aber gleichzeitig geht es uns jetzt wirklich einfach auch verdammt gut.
00:46:03: Wir leben jetzt in einem Bundesland und in einer Region die gehört zu den wohlhabendsten Regionen in ganz Deutschland, während die Region aus der ich komme deshalb zu den am wenigsten wohlhabenden Regionen im ganzen Deutschland gehört.
00:46:17: In der ja auch meine Familie immer noch lebt.
00:46:19: das heißt Ich sehe ja die riesengroßen Unterschiede dies da in Verdienst in Vermögenssituationen Eigentum und so weiter gibt.
00:46:26: Das habe ich alles in meiner Familie.
00:46:28: So insofern war das für uns eine sehr gute Lebensentscheidung.
00:46:31: Ich blicke darauf mit großer Dankbarkeit Für die Möglichkeiten Die wir jetzt hier auch bekommen haben.
00:46:36: Wir haben auch sehr viel dafür gearbeitet, aber trotzdem ist es natürlich eine privilegierte Situation.
00:46:42: Und wie schaust du gerade auf die Wahlen in deinem Heimatland?
00:46:46: Ja mit Bauchschmerzen und Horror und riesengroßer Sorge!
00:46:54: Wir haben ja im Rahmen unserer Aktivitäten im Panda-Netzei auch das Thema Ostwest seit ein paar Jahren auf dem Schirm.
00:46:59: Du selbst warst ja bei unserer Veranstaltung, die wir mit der Ostbeauftragte der Bundesregierung dazu gemacht haben, Und ich war im Rahmen eines Projektes vorletzten Jahr für zehn Wochen mal wieder in meiner Heimatstadt Dessau und habe ganz viele, wie gesagt meine Familie wohnt da noch.
00:47:18: Ich bin da total regelmäßig.
00:47:21: Und AfD ist stärkste Kraft im Stadtrat in Sachsen-Anhalt insgesamt bei einundvierzig Prozent und in vier Monaten sind Wahlen.
00:47:30: Also kann dir gar nicht sagen, wie mich das bedrückt... frustriert, dass diese Situation dort so ist.
00:47:38: Es ist auch eine Überlegung was kann man dagegen tun aktiv?
00:47:42: Gibt es auch etwas was wir versuchen dagegen zu tun?
00:47:44: das ist noch nicht die Spruchreif deshalb kann ich sie ja noch nicht teilen.
00:47:47: Momentan teilen wir es auf Social Media.
00:47:50: Ja sehr gerne passiert alles genau jetzt.
00:47:52: Ich kann's aber nicht raustrompeten nachher wird nichts raus.
00:47:54: Aber es gibt diese überlegungen.
00:47:55: Was kann ich aus meiner Situation als ich sag mal weggegangene Interessierte und engagierte Dessauerin da irgendwie dazu beitragen, weil das natürlich erschreckend ist.
00:48:08: Und das beschäftigt mich insofern auch als dass es ja in den sozialen Beziehungen total spürbar ist also in meiner Familie speziell bei meinen Eltern die zum Glück oder selbstverständlich aus meiner Sicht nicht zu denen gehören, die in die Richtung abdriften und jetzt plötzlich AfD-Wählerinnen sind.
00:48:25: aber da sind wirklich langjährige Freundschaften lebenslange Freundschaft Aufgrund dessen auseinandergegangen, weil man Menschen, die man eigentlich sehr gut kennt, sag ich mal an diese Fraktion verliert.
00:48:38: Noch ein letztes... Ich habe eine kleine Kategorie, die ist auch ein bisschen fies würde ich sagen!
00:48:46: Das ist nämlich eine Ableitung von, ich weiß nicht ob alle Leute das kennen, FACMARYKILL Politiker-Version und bei uns heißt sie Würdeich und es geht nämlich darum, ich nenne dir drei Politiker, die gerade von sich reden gemacht haben Und du musst überlegen, wen von den Reihen du das Amtes entheben würdest.
00:49:04: Mit wem du koalieren würdest wenn du selbst in der Politik wärst und mit wem würdest du auf dem Tatz wagen beim CSD dieses Jahr tanzen?
00:49:13: Oh mein Gott, darauf bin ich überhaupt nicht vorbereitet.
00:49:15: Okay, geht los!
00:49:17: Das soll ja auch so sein... Also die erste Person ist Kupiti natürlich weil er gerade in der FDP zu neuen Vorsitzenden gekürt werden soll und die FDP wieder über die fünf Prozent zu bringen soll.
00:49:30: Denn die zweite Person ist Sarah Bagenknecht weil das PSW grade beschlossen hat in Sachsen-Anhalt dass wenn sie über die Fünfprozent Töte kommen dann werden Sie mit der AfD auch eine Regierung eingehen.
00:49:43: Das ist nochmal so ein kleiner Nachrichtenwert.
00:49:45: Und die dritte Person ist gerade Dootie Baer, weil sie ja der Meinung ist dass man und das auch zu dem Bundesland passt als CSU-Politikerin, dass das BAföG doch nicht angehoben werden muss.
00:49:58: Man kann ja auch mal nebenher arbeiten neben dem Studium.
00:50:01: Das hat sie damals ja auch nicht umgebracht.
00:50:05: Mit wem würdest du was machen?
00:50:07: Oh Gott!
00:50:14: Ich muss mich entscheiden.
00:50:16: Koalieren, CSD oder Amtsenthebung?
00:50:22: Ich dachte mir auch... Also nee ich habe extra das so gemacht dass sich gerade Politiker nehmen die von sich reden mache dass ich nicht entscheide wer da ist um das fieser oder netter oder so zu gestalten.
00:50:32: und jetzt dachte ich mir so boah das ist schon sehr wild aber ich glaube du schaffst es.
00:50:37: Das ist so schwer!
00:50:38: Ich kann nur falsche Antworten geben.
00:50:40: deshalb sage ich Ich würde Sarah Wagenknecht aufgrund ihres Wandels über die letzten Jahre des Amtes entheben.
00:50:49: Ich würde Wolfgang Kubicki zwingen, mit mir auf dem CSD-Wagen zu tanzen und mit Dorothee Baer wird ich schweren Herzen zu
00:50:59: koalieren.".
00:51:01: Warum würdest du mit ihr gerade koaliert?
00:51:03: Glaubst du es ist einfacher als mit
00:51:04: Kubicki?".
00:51:06: Ich glaube das ist das kleinste Übel!
00:51:11: Oh nein, wird das ausgestrahlt?
00:51:12: Ist zu fies.
00:51:13: Also nee ich bin ja grundsätzlich du weißt mir noch ausgebildete Bediatorin dafür mit allen Menschen zu reden.
00:51:20: auf jeden Fall Ja.
00:51:22: und mit Dorothee Baer würde ich deshalb koalieren weil sie in einer Rolle ist mit der man überhaupt koaliert.
00:51:28: kann Sie es in einem mächtigen Amt und kann was gestalten.
00:51:32: Und über dieses Thema BAföG auch wenn nicht ihrer Meinung bin Ich glaube darüber kann man auf jeden fall In die Diskussion gehen und unterschiedliche Positionen austauschen.
00:51:44: So!
00:51:45: Ja, und ich glaube man muss dazu auch noch sagen dass Dorothee Bär bei Frauenthemen da versucht sie in der CSU auch was zu bewegen?
00:51:51: Da hättet ihr zumindest eine Gemeinsamkeit?
00:51:54: Absolut, wir hätten eine Gemeinsamkeit absolut.
00:51:56: von daher.
00:51:57: Ich stehe zudem Was ich gesagt habe das mit der AfD zu koalieren.
00:52:01: Das geht überhaupt nicht.
00:52:03: Und ja Wolfgang Kubicki auf dem CSD Wagen Das wäre auch hätte auf jeden Fall auch Nachrichten wert.
00:52:11: So viel.
00:52:11: Danke dir auf jeden Fall, dann wünsche ich dir erst mal noch einen schönen Tag und ich freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen vielleicht ja in Dessau!
00:52:18: Ich bin sehr gespannt was du dafür im Projekt hast oder was?
00:52:22: Danke dir Dennis hat Spaß gemacht und ich bin gespannt auf die Folge.
00:52:25: Danke Dir auch Tschüüü!
00:52:27: Schönen Tag ciao.
00:52:31: Vielen Dank für dieses offene und ehrliche Gespräch.
00:52:34: Es zeigt, Sozialpolitik ist kein abstraktes Thema.
00:52:37: Sie betrifft uns alle im Alltag wenn auch in Ost- und West vielleicht unterschiedlich wie wir in den Gesprächen gehört haben.
00:52:45: Nächstes Mal werden wir mit Politikern über Migration und Integration sprechen Ein Thema das in Deutschland trennt gerade von der Wirtschaft als dringend das Thema abgelöst wurde.
00:52:55: Die geflüchteten Zahlen sind gering und trotzdem singen die Zustimmungswerte für die AfD nicht.
00:53:02: Funktioniert die AfD also mittlerweile auch Absatz von dem Thema Migration?
00:53:08: Schalte wieder ein, wenn wir dieses Thema mit der CDU diskutieren denn März hatte uns ja versprochen die AfD zu heibieren!
00:53:15: Habt ihr eigene Fragen, die er mit einbringen wollt dann schickt uns die gerne als Sprachnachricht an Oder schreibt uns an mauechoetanz.de.
00:53:29: Feedback ist auch immer gerne gesehen und gewert doch unseren Podcast mit fünf Sternen dort wo es möglich ist, so helft ihr uns weiter zu wachsen.
00:53:40: Besonderer Dank geht an unserem Sound Designer Sebastian Jautschus Und an unsere neue Redakteurin Jacqueline Kump.
00:53:48: Dann bleibt mir nichts anderes zu sagen als macht das nicht nur gut, macht die Welt ein kleines bisschen besser.
00:53:54: Bis zum nächsten Mal!
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